Stephan Schleim’s Books

An overview of Stephan Schleim’s books. (Presently only available in German.)

Gedankenlesen. Pionierarbeit der Hirnforschung (Heise Verlag, 2008)

Während meiner Doktorarbeit zur Neurophysiologie moralischer Entscheidungen an den Universitätskliniken Frankfurt und Bonn wurde ich zunehmend unzufrieden mit der Art und Weise, wie in der Öffentlichkeit über Hirnforschung kommuniziert wurde. Es herrschte eine Goldgräberstimmung, bei der man dachte, mit dem Kernspintomographen tief ins Innerste des Menschen schauen, seine Gedanken lesen und die “großen Fragen” beantworten zu können.

Dem gegenüber stand eine große Oberflächlichkeit in der Art der Berichte: Wie spätere Kommunikationsforschung bestätigte (Racine et al., 2010) wurden methodische Einschränkungen, experimentelle Rahmenbedingungen oder theoretische Voraussetzungen der Forschung kaum thematisiert. Diese Lücke füllte Gedankenlesen, indem es dem Leser erklärte, wie die bildgebende Hirnforschung funktioniert und was von dem Anspruch zu halten ist, mit Hirnscannern Gedanken lesen zu können.

Von der Neuroethik zum Neurorecht? Vom Beginn einer neuen Debatte (Vandenhoeck & Ruprecht, 2009)

Mit den großen Erwartungen an die Hirnforschung gingen auch ethische Herausforderungen einher. Diesen widmet sich seit der Jahrtausendwende die sogenannte Neuroethik. In diesem Sammelband (herausgegeben mit Tade M. Spranger und Henrik Walter) beschäftigten wir uns spezifisch mit den rechtlichen Problemen, die die Neurowissenschaften aufwerfen. Brauchen wir ein eigenes “Neurorecht”?

Lebensentstehung und künstliches Leben. Naturwissenschaftliche, philosophische und theologische Aspekte der Zellevolution (Graue Edition, 2010)

Die willkommenste Abwechslung während meiner Promotionszeit waren die von Professor, Pfarrer und Seelsorger Ulrich Eibach organisierten Treffen des “Arbeitskreises Evolution”. Zusammen mit unter anderem den Professoren Wolfgang Alt (Theoretische Biologie), Volker Herzog (Molekularbiologie) und Gunter M. Schütz (Theoretische Physik) diskutierten wir grundlegende Fragen der Lebensentstehung, der Evolution und des künstlichen Lebens.

In diesem gemeinsamen Buchprojekt (hier bei Amazon.de) haben wir aus Sichtweise unserer jeweiligen Disziplinen Fragen an den Grenzen der Wissenschaft diskutiert. Die im Buch aneinander gestellten Fragen geben den offenen wie konstruktiven interdisziplinären Dialog wieder, wie wir ihn auf dem Gelände des Universitätsklinikums Bonn viele Male geführt haben.

Die Neurogesellschaft. Wie die Hirnforschung Recht und Moral herausfordert. (Heise Verlag, 2011)

In dieser Fortsetzung von Gedankenlesen (2008) und Von der Neuroethik zum Neurorecht (2009) beschäftige ich mich ausführlicher mit der Diskussion um die Willensfreiheit, Lügenerkennung und sogenannte gefährliche Gehirne. Bei jedem der Themen werden sowohl philosophische als auch rechtswissenschaftliche, psychologische und soziale Aspekte berücksichtigt.

Ein übergreifendes Thema des Buchs (hier bei Amazon.de) ist das “individuelle Gehirn”, nämlich der Gedanke, dass wir Menschen uns nicht nur äußerlich, anhand unserer Fingerabdrücke oder unserer Gene unterscheiden, sondern auch wesentlich anhand unserer Gehirne. Jedes Hirn ist einzigartig.

Denn scheren die am häufigsten verwendeten statistischen Methoden alle Versuchspersonen, alle Gehirne eines Experiments über einen Kamm. Wie passt das zur Individualität des Menschen? Und zu den enormen Ansprüchen, die führende Hirnforscher erhoben haben, alle Aspekte des Menschen erklären zu können? Dieser Herausforderung nahm sich Die Neurogesellschaft an – und zeigte dabei auch, dass einige dieser mit großen Worten auftretenden Wissenschaftler bei näherem Hinsehen ziemlich unsauber gearbeitet haben.

Was sind psychische Störungen? (Telepolis, 2018)

Im Vorwort von Die Neurogesellschaft von 2011 war bereits angedacht, dass nun ein Buch über klinische Psychologie beziehungsweise Psychiatrie folgen müsste. Dass es dann bis 2018 dauern sollte, bis diese Aufsatzsammlung (hier als eBook bei Amazon.de) erscheinen würde, hätte ich mir damals nicht vorstellen können.

Dabei ist es sehr wichtig, nicht nur Wissenschaftler verschiedener Disziplinen, sondern auch (potenzielle) Patienten und ihre Angehörigen über die Rahmenbedingungen und theoretischen Voraussetzungen der Disziplinen von der psychischen Gesundheit und Krankheit aufzuklären. Denn deren Grundannahmen beeinflussen nicht nur die Art der Forschung und ihre Ergebnisse, sondern auch die Therapien, die den Betroffenen angeboten werden.

Was sind psychische Störungen? zeigt aus verschiedenen Blickwinkeln, dass psychische Störungen in ihrem gesellschaftlichen und historischen Kontext untersucht werden müssen. Das heute immer noch weit verbreitete molekularbiologische Denken in klinischer Psychologie und Psychiatrie wird dem Menschen und seinen psychischen Problemen nicht gerecht.